Smartphone, Internet und soziale Medien gehören selbstverständlich zu unserem Alltag.
Eine intensive Nutzung ist deshalb nicht automatisch problematisch.
Klinisch relevant wird die Nutzung insbesondere dann, wenn es zunehmend schwerfällt, sie selbst zu steuern und andere wichtige Lebensbereiche darunter leiden.
Typische Anzeichen können sein:
- wiederholter Kontrollverlust über Dauer oder Beginn der Nutzung
- erfolglose Versuche, die Nutzung zu reduzieren
- Vernachlässigung anderer Aktivitäten oder Verpflichtungen
- Nutzung trotz negativer Konsequenzen
- Prokrastination und digitale Ablenkung
- Schlafprobleme durch lange oder nächtliche Nutzung
- ständiges Kontrollieren von Nachrichten oder sozialen Medien
- Konflikte in Familie, Beziehung, Schule, Studium oder Beruf
- das Gefühl, ohne Smartphone oder Internet unruhig oder angespannt zu werden
Dabei ist nicht allein entscheidend, wie viele Stunden jemand online ist.
Wichtiger ist:
Welche Funktion erfüllt die Nutzung? Wie gut kann sie noch gesteuert werden? Und welche Auswirkungen hat sie auf das eigene Leben? Welches digitale Verhalten ist problematisch – und wodurch wird es aufrechterhalten?
Verhaltenstherapeutisch wird deshalb zunächst analysiert:
- In welchen Situationen tritt die problematische Nutzung auf?
- Welche Gedanken und Gefühle gehen ihr voraus?
- Welche unmittelbare Belohnung oder Entlastung entsteht?
- Welche langfristigen Folgen hat die Nutzung?
- Welche Reize lösen automatisches Nutzungsverhalten aus?
- Welche alternativen Strategien fehlen bislang?
Mögliche therapeutische Schwerpunkte sind:
- Selbstbeobachtung des Nutzungsverhaltens
- funktionale Verhaltensanalyse
- Reduktion automatischer Nutzungsimpulse
- Stimuluskontrolle
- Umgang mit Langeweile und Stress
- Prokrastinationsmanagement
- Emotionsregulation
- Veränderung problematischer Erwartungen und Gewohnheiten
- Aufbau alternativer Aktivitäten und Verstärker
- Entwicklung realistischer Nutzungsregeln
Kognitive Verhaltenstherapie ist derzeit das am besten gestützte psychotherapeutische Verfahren bei Internetnutzungsstörungen.
Ziel der Therapie
Das Ziel ist nicht zwangsläufig vollständige Abstinenz und die Vermeidung digitaler Medien.
Ziel ist, wieder selbst entscheiden zu können:
Wann möchte ich mein Smartphone oder das Internet nutzen – und wann nicht?
Gerade bei Smartphone und Internet ist häufig ein bewusster, kontrollierter und selbstbestimmter Umgang das sinnvollere Therapieziel
Es geht darum, automatisierte Gewohnheiten zu verstehen, Kontrollmöglichkeiten zurückzugewinnen und digitale Medien so zu nutzen, dass sie nicht zunehmend über Schlaf, Beziehungen, Schule, Studium, Beruf oder Freizeit bestimmen.
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